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Rudolf Heitefuß-Auszeichnung für wissenschaftliche Leistungen 2020 für

Prof. Dr. Marco Thines

Die DPG verleiht Herrn Prof. Dr. Macrco Thines vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum für seine Verdienste in der Erforschung filamentöser Schaderreger die "Rudolf-Heitefuß Auszeichnung für wissenschaftliche Leistungen". Dieser Preis wird für herausragende wissenschaftliche Arbeiten verliehen.

 

Nach dem Studium der Biologie an der Universität Hohenheim promovierte Marco Thines über obligat biotrophe Oomyceten. Nach einem zweijährigen Exkurs in die Journalistik und der Gründung eines Startups im Bereich der Diagnostik leitete er von 2007 bis 2010 die Arbeitsgruppe zur Biodiversität der Oomyceten am Institut für Botanik der Universität Hohenheim. 2009 wurde er für seine Forschung über die Taxonomie und Evolution pflanzenpathogener Oomyceten habilitiert. Seit 2010 ist er Professor am Biodiversität- und Klimaforschungszentrum der Senckenberg Gesellschaft und der Goethe-Universität in Frankfurt, wo er das Forschungsgebiet “Evolutionäre Analyse und Biologische Archive“ leitet.

Als Präsident der Gesellschaft für Mykologie ist ihm auch der Praxisbezug seiner Arbeit wichtig. Dort versucht er unter anderem einen Beitrag zur Bewusstseinsschärfung für die Möglichkeiten und Grenzen der molekularbiologischen Pilzbestimmungen zu leisten. Prof. Dr. Thines gelingt es bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten stets auch Erkenntnisse für die praktische Anwendung in der Landwirtschaft zu gewinnen. Darüber hinaus ist seine Unterstützung bei der Diagnostik neuartiger Schaderreger den deutschen Pflanzenschutzdiensten oftmals dienlich gewesen.

Durch vergleichende Gen- und Genomanalysen hat er insbesondere auf dem Gebiet der Oomyceten und Brandpilze ökologische Auswirkungen des Klimawandels und Mechanismen der Anpassung an verschieden Wirtpflanzen aufgezeigt. Seine phylogenetischen Analysen auch an historischen Belegexemplaren haben neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der evolutiven Abstammungslehre ergeben. Seine Forschungserkenntnisse sind in zahlreiche begutachtete Publikationen in internationalen Journalen und Bücher eingeflossen. Zu nennen sind hier unter anderem hochkarätige interdisziplinäre Arbeiten zur Genomik und Evolution von Pilzen und Oomyceten, die in Nature, Science etc. erschienen sind, und  vielzitierte  Grundlagenarbeiten wie „The Amsterdam declaration on fungal nomenclature“ IMA Fungus 2 (1), 105-111 oder Detailstudien wie „Gene loss rather than gene gain is associated with a host jump from monocots to dicots in the smut fungus Melanopsichium pennsylvanicum, erschienen in Genome Biology and Evolution 6 (8), 2034-2049“. Ergänzt werden seine Originalarbeiten durch seine sehr beliebten Übersichtsartikel wie zum Beispiel: Phylogeny and evolution of plant pathogenic oomycetes—a global overview. European Journal of Plant Pathology 138 (3), 431-447 oder “An evolutionary framework for host shifts–jumping ships for survival” New Phytologist 224 (2), 605-617. Die Titel dieser Arbeiten zeigen die erstaunliche Breite und Tiefe seiner wissenschaftlichen Arbeiten.  

 

Anton de Bary-Medaille 2020 für

Prof. Dr. Holger B. Deising

Herr Prof. Deising zählt zu den renommiertesten Lehrstuhlinhabern im Fachgebiet Phytomedizin in Deutschland. Er hat in Kiel Agrarwissenschaften studiert und dort am Botanischen Institut promoviert. Im Jahr 1988 wechselte Herr Deising an die Universität Konstanz. In der Arbeitsgruppe von Prof. Kurt Mendgen habilitierte er sich mit einer Arbeit zu “Biochemical investigation of differentiation of infection structures of the broad bean rust fungus Uromyces viciae-fabae” und erhielt für das Fachgebiet Phytopathologie und Pflanzenphysiologie die Lehrbefugnis. Herr Deising absolvierte mehrere längerfristige Forschungsaufenthalte in den USA und Kanada, unter anderem an der McMaster University in Hamilton, Ontario (1986), der University of Georgia in Athens, Georgia (1989) und der Purdue University in West Lafayette, Indiana (1992). Seit 1997 ist er C4 Professor am Lehrstuhl für Phytopathologie und Pflanzenschutz der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg.

Wegweisend sind seine Forschungsarbeiten zur Aufklärung der Pathogenitätsmechanismen von Colletotrichum graminicola, einem weltweit bedeutenden Pathogen an Mais, Getreide und Gräsern. Herrn Deising gelang es, die Funktion der pilzlichen Appressorien zu beschreiben und infektionsspezifische Gene zu isolieren und zu charakterisieren. Zusammen mit der Analyse des Sekretoms der Pathogenese von C. graminicola trugen seine Arbeiten wesentlich zur Aufklärung der molekularen Pathogenitätmechanismen von C. graminicola bei. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Herr Deising ist die Aufklärung der molekularen Mechanismen von Fungizidresistenz in Populationen von Fusarium graminearum und anderer phytopathogenen Pilzen. Die so gewonnenen Erkenntnisse führten zur Anpassung bestehender Pflanzenschutzstrategien mit dem Ziel, die Resistenzbildung moderner Pflanzenschutzmittel zu verzögern bzw. im Idealfall zu vermeiden.

Seine Forschungsergebnisse hat Herr Deising in über 100 Fachartikeln in durchweg hochwertigen Journalen publiziert. Hinzu kommen 18 Bücher und Buchkapitel sowie weit über 100 Konferenzbeiträge. Herr Deising hat zahlreiche Studierende und Doktoranden ausgebildet und für die Phytomedizin begeistert. Er ist hervorragend vernetzt und seine Arbeiten genießen national wie international höchstes Ansehen.

Herr Deising engagiert sich neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in verschiedenen Bereichen der Phytomedizin. So war er von bis 2012 bis 2018 im Vorstand der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft und von 2004-2011 Mitglied im Fachkollegium 207-06 „Phytomedizin“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Herr Deising bringt sich aktiv in die Organisation und Gestaltung namhafter Tagungen ein, wie der Deutschen Pflanzenschutztagung oder der International Plant Protection Conference 2015 in Berlin. Aktuell organisiert er federführend das alle 3 Jahre stattfindende International Reinhardsbrunn-Symposium on Modern Fungicides and Antifungal Compounds in Friedrichroda. Herr Deising ist Editor von FEMS Microbiology Letters und Journal of Plant Diseases and Protection und engagierter Gutachter wissenschaftlicher Originalarbeiten und Forschungsanträgen.

Julius Kühn-Preis 2020 für

Dr. Caspar Langenbach

Herr Dr. Caspar Langenbach erhält den Julius Kühn-Preis in Würdigung seiner Arbeiten zur genetischen und biologischen Kontrolle des Asiatischen Sojabohnenrostpilzes Phakopsora pachyrhizi

Herr Dr. Langenbach hat an der RWTH Aachen Biologie studiert und während seines Studiums bei Prof. Hermann Silva an der Universidad Andrés Bello, Santiago de Chile, geforscht. Er hat dann 2013 in der Arbeitsgruppe von Jun.-Prof. Dr. Katharina Göllner und Prof. Dr. Uwe Conrath in Aachen promoviert (summa cum laude) und seine sehr erfolgreichen Arbeiten dort als Postdoc fortgeführt. Zuzeit leitet Herr Dr. Langenbach die Arbeitsgruppe Agbiotech in der Abteilung von Prof. Conrath. Schon während seiner Promotion hat sich Herr Langenbach intensiv mit den genetischen und biochemischen Grundlagen der Nichtwirtresistenz von Ackerschmalwand gegenüber dem Asiatischen Sojabohnenrostpilz (ASR) Phakopsora pachyrhizi beschäftigt. Damals legte er die Basis für die Ausarbeitung der Rolle von niedermolekularen Sekundärmetaboliten und den entsprechenden Metabolismusgenen für die Resistenz gegen Ausbreitung des Pilzes im Blattgewebe. Diese und weitere Gene führten dann weiter zur Etablierung von partieller ASR Resistenz in Sojabohnen durch erfolgreiche Translation des Wissens aus der Modell- in die Kulturpflanze. In einem zweiten interdisziplinären Ansatz versucht Herr Dr. Langenbach die Oberfläche von Pflanzenblättern für den Pflanzenschutz zu funktionalisieren. Dabei werden neuartige chimäre Proteine genutzt, die sich auf der einen Seite in die Kutukula der Pflanze einlagern und so regenfest auf der Blattoberfläche verweilen. Auf der anderen Seite des Peptides können sich zum Beispiel antifungale Peptide befinden. Diese bifunktionalen Proteine reduzieren dann tatsächlich die Entwicklung von ASR. Das Prinzip der Regenfestigkeit ist dabei viel­versprechend und wird ggf. auch in anderen Formen des biologischen oder chemischen Pflanzenschutzes eingesetzt werden können. Dabei könnte es beitragen, die Wirkstoff am Ort ihrer gewünschten Wirkung zu fixieren und so helfen, Wirkstoffmengen und Umwelteintrag von Pflanzenschutzmitteln zu verringern. Herr Dr. Langenbach hat seine Forschungsarbeiten in zahlreichen peer-reviewed Original- und Übersichtsartikeln in hochklassigen Zeitschriften publiziert und seine Arbeit erfährt große Aufmerksamkeit im Bereich des Wissenschaftsjournalismus. Das insgesamt hat die DPG bewogen, dem Vorschlag aus den Reihen unserer Mitglieder zu folgen, und Herrn Dr. Langenbach den Julius Kühn-Preis 2020 zu verleihen, wozu wir ganz herzlich gratulieren.

Ehrennadel der DPG 2020 für

Dr. Ute Gärber

Der Vorstand der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft e.V. (DPG) verleiht die Ehrennadel der DPG für das Jahr 2021 an Frau Dr. Ute Gärber für ihre herausragenden Verdienste um die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft e.V..

Frau Dr. Ute Gärber erhält die Ehrennadel der DPG für ihre außerordentliche phytomedizinische Kompetenz rund um die Arznei- und Gewürzpflanzen sowie ihre herausragenden Verdienste als langjährige Leiterin des Arbeitskreises »Heil-, Duft und Gewürzpflanzen«.

Frau Gärber wurde in Strausberg nahe Berlin geboren. Nach ihrer Schulzeit und einer mehrmonatigen Vorbereitungszeit an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Halle zog es Frau Gärber nach Chisinau, der Hauptstadt Moldawiens. An der dortigen Staatlichen Universität studierte sie von 1974 bis 1979 Biologie mit Schwerpunkt Biochemie. Im September 1979 wechselte sie an das Institut für Pflanzenschutzforschung in Berlin und promovierte 1989 an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR mit einer Arbeit zur »Entwicklung von Modellmethoden zur Bewertung der Wirksamkeit von Fungiziden gegenüber Phomopsis sclerotioides an Gurke«. Seit Mai 1991 ist Frau Gärber wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau der Biologischen Bundesanstalt für Land und Forstwirtschaft, dem heutigen Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Mit Arznei- und Gewürzpflanzen beschäftigt sich Frau Gärber seit Mitte der 90er Jahre. Ihr Schwerpunkt sind die pilzlichen Schaderreger, ihre Kulturen überaus vielfältig: Kamille, Petersilie, Pfefferminze, Traubensilberkerze, Bärentraube, Schnittlauch oder auch Johanniskraut.

Immer ging es um die Gesunderhaltung der Kulturen, die Aufklärung von Schadensursachen, die Biologie und Epidemiologie von Schaderregern sowie die Entwicklung von Gegenmaßnahmen. Ihre Begeisterung für die Arznei- und Gewürzpflanzen, wie auch ihre enorme Fachkompetenz machten Frau Gärber zu einer gefragten Expertin, Beraterin, Rednerin und Forschungspartnerin, in Deutschland wie auch im benachbarten Ausland.

Seit über 20 Jahren engagierte sich Frau Gärber im Arbeitskreis Heil-, Duft und Gewürzpflanzen der DPG und war über 25 Jahre Expertin im Deutschen Fachausschuss für Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen. Nur wenige haben sich so intensiv mit Arznei- und Gewürzpflanzen beschäftigt wie Frau Gärber.

Sie hat ihr Wissen stets zum Nutzen der DPG auf allen Ebenen des wissenschaftlichen Austausches eingebracht und dazu beigetragen, dass Landwirten auch unter schwierigen Produktionsbedingungen bis heute erfolgreich Arznei- und Gewürzpflanzen anbauen können.