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Der Julius Kühn-Preis

Der Sohn eines Gutsinspektors erhielt seine Grundschulbildung in Pulsnitz. Obwohl sein Vater erkrankte und sich die Familie in finanziellen Schwierigkeiten befand, ermöglichten ihm seine Angehörigen eine Ausbildung am Polytechnikum in Dresden. 1841 ging Kühn in die landwirtschaftliche Praxis. Als Lehrling, Gehilfe und Gutsverwalter erwarb er sich umfassende landwirtschaftliche Kenntnisse. Von 1848 bis 1855 war er Verwalter eines Gutes in Groß-Krausche bei Bunzlau. Hier studierte er mit modernen Methoden (Mikroskopie) intensiv die Krankheiten der Kulturpflanzen und veröffentlichte darüber mehrere Beiträge. 1855 immatrikulierte er sich an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Bonn-Poppelsdorf, aus finanziellen Gründen musste er das Studium nach zwei Semestern aufgeben. Er promovierte jedoch im März 1857 an der Universität Leipzig mit der Dissertation »Über den Brand des Getreides und das Befallen des Rapses und über die Entwicklung des Maisbrandes«. Im gleichen Jahr habilitierte er sich an der Landwirtschaftlichen Akademie Proskau. Nach nur einem Semester Lehre ging er als Verwalter der niederschlesischen Güter des Grafen Egloffstein zurück in die Praxis.

1858 veröffentlichte er das bahnbrechende Werk »Die Krankheiten der Kulturgewächse, ihre Ursachen und ihre Verhütung«. Große Resonanz rief auch sein 1861 veröffentlichte Buch über die Ernährung von Rindern hervor (»Die zweckmäßigste Ernährung des Rindviehs vom wissenschaftlichen und praktischen Gesichtspunkte «.) 1862 wurde Kühn zum ordentlichen Professor für Landwirtschaft an der Universität Halle ernannt. 1863 erhielt er die ministerielle Genehmigung zur Errichtung eines selbstständigen Instituts, das er in den folgenden vierzig Jahren zur bedeutendsten agrarwissenschaftlichen Lehr- und Forschungsstätte Deutschlands ausbaute. Er legte Versuchsfelder, eine Versuchsstation und Laboratorien an. Der 1878 begonnene Dauerfeldversuch »Ewiger Roggenbau « wird noch heute weitergeführt. Kühns Anstrengungen zur Behebung der sogenannten Rübenmüdigkeit mündeten 1889 in eine Station zur »Nematodenvertilgung «. Ein Haustiergarten und eine veterinärmedizinische Abteilung komplettierten das nach seinen Vorstellungen konzipierte Institut. Dass sein privates Vermögen in den Ausbau des Instituts einfloss, war für ihn selbstverständlich. Rufe nach Göttingen, Berlin, Hohenheim und Wien lehnte er ab. Interessant erscheint in der Rückschau, dass in Kühns Institut auch betriebswirtschaftliche Fragen behandelt wurden, da er einen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Praxis nicht zu erkennen vermochte. Doch nicht nur darin war Kühn modern, er setzte häufig nicht nur auf seine eigene durch mehr als 300 Veröffentlichungen zu allen Gebieten der Landwirtschaft untermauerte Kompetenz, sondern förderte auch zahlreiche Talente, die aus kleinen Verhältnissen stammten oder gebrochene Biographien aufwiesen. Er verstand es, Freiräume zu eröffnen und Forschungsgebiete zu fördern, die noch nicht umfassend anerkannt waren. Nicht zuletzt deshalb wurden viele seiner Schüler auf Lehrstühle berufen, an denen ebenfalls Pionierarbeit geleistet wurde. Sie bauten in ganz Deutschland Institute nach hallischem Vorbild auf, gingen aber nicht selten andere Wege als den von Kühn aufgezeichneten, universalistischen. Offensichtlich als Alterssitz erwarb Kühn 1898 das Gut »Lindchen« bei Spremberg, hier untersuchte er die Möglichkeiten, auf sehr leichten Sandböden den Anbau von Kulturpflanzen zu verbessern. 1909 wurde Kühn emeritiert.

Zwei Festschriften in denen unter anderem ein falsches Promotionsdatum angegeben ist und eine umfangreiche biographische Literatur würdigten den hochdekorierten Kühn (Ehrendoktorat der Universität Krakau, Wirklicher Geheimrat mit dem Titel »Exzellenz«, Roter Adler-Orden 2. Klasse mit Stern, Kronenorden 2. Klasse, russischer Sankt Stanislaus-Orden 2. Klasse), als den bedeutendsten deutschen Vertreter der Landwirtschaftswissenschaft.

 

Anläßlich der Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag im März 1907 definierte Kühn das Ziel seines Wissenschaftlerlebens: »Meine Aufgabe war ein Ziel, daß vorher nicht ausgesprochen worden ist. Aber die naturwissenschaftliche Forschung ist noch keine Landwirtschaft. Das wahre Ziel ist die größtmögliche Produktion an Nahrungsmitteln und Kleidungsstoffen. So, wie die medizinische Wissenschaft die Erhaltung des Leibes in Kraft und Gesundheit zum praktischen Ziele hat, besitzt unsere Wissenschaft die Pflicht, die Bedürfnisse der Menschheit nach Nahrung und Kleidung zu decken zu versuchen. Die Gesetze der Natur müssen wir anerkennen, die Gesetzte der Natur müssen wir anwenden mit möglichster Rente, zur Stofferzeugung. Das höchste wissenschaftliche Ziel ist das praktische Ziel& Unsere Aufgabe ist der Nutzen«. Das 1992 wieder begründete »Kühn-Archiv« war diesen Ideen verpflichtet und kann für die Zeit von 1911 bis 1971 alseine der wichtigsten Zeitschriften des Fachgebietes gelten.

(Quelle: www.lexikon-definition.de/Julius-Kuehn.html (verändert))

Der Preis wird verliehen, um im Sinne der richtungsweisenden wissenschaftlichen und praktischen Vorstellungen von Julius Kühn zur Entwicklung eines ökologisch und ökonomisch ausgerichteten Pflanzenschutzes beizutragen und durch Förderung der Forschung auf dem Gesamtgebiet der Phytomedizin die wissenschaftlichen Grundlagen dafür zu verbessern. Der Preis wird im Abstand von zwei Jahren für hervorragende Arbeiten an Wissenschaftler unter 40 Jahren verliehen.

Die wissenschaftliche Auszeichnung ist mit einem Geldpreis von 2.000,- Euro verbunden. Die Verleihung erfolgt jeweils anläßlich der Deutschen Pflanzenschutztagung. In der Regel hält der Preisträger einen Plenarvortrag. Jedes ordentliche Mitglied der DPG ist berechtigt, Kandidaten für die Verleihung des Preises vorzuschlagen. Grundlage für die Benennung von Kandidaten sind Arbeiten, die innerhalb der vergangenen drei Jahre in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht worden sind oder zur Veröffentlichung angenommen wurden. Die Benennungen sind zusammen mit den Publikationen der Geschäftsstelle der DPG jeweils zum 31. Dezember des Jahres vor einer Pflanzenschutztagung einzureichen. Es können auch mehrere zusammenhängende Veröffentlichungen eingereicht werden. Der Preis kann auch einer Gruppe von Autoren verliehen werden. Über die Vergabe des Preises entscheiden

  • die drei Vorsitzenden der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft
  • ein Vertreter des Pflanzenschutzdienstes
  • ein Vertreter des Julius Kühn-Institutes
  • ein Vertreter der Pflanzenschutzindustrie und
  • ein Hochschullehrer der Universitätsinstitute für Phytomedizin.

Den Vorsitz führt der erste Vorsitzende der DPG. Der Vorstand der DPG beruft unter Berücksichtigung verschiedener Teilgebiete der Phytomedizin die übrigen Mitglieder des Gremiums für eine Amtszeit von jeweils 6 Jahren. Eine erneute Berufung ist nicht möglich. Die Entscheidung über die Preisvergabe erfolgt mit einfacher Mehrheit. Die mehrheitliche Zustimmung kann auch auf schriftlichem Wege eingeholt werden1. Sie muß jeweils bis zum 1. Juni erfolgen und wird in den Mitteilungen der DPG Phytomedizin bekanntgegeben. Die Ausschreibung des Preises erfolgt jeweils im Vorjahr der Verleihung in den Mitteilungen der DPG und dem Nachrichtenblatt des Deutschen Pflanzenschutzdienstes und durch Aushang in den einschlägigen Institutionen. Die Finanzierung des Julius-Kühn-Preises erfolgt aus Mitteln der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Inhaber des Julius Kühn-Preises

Frau Privatdozentin Dr. Anne-Katrin Mahlein hat in Bonn Agrarwissenschaften studiert und dieses im April 2007 als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Es folgte die Promotion am Institut für Nutzpflanzenforschung und Ressourcenschutz in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Heinz- Wilhelm Dehne sowie in enger Zusammenarbeit mit den Privatdozenten Dr. Erich Oerke und Dr. Ulrike Steiner. In dieser Zeit begann Frau Dr. Mahlein sich mit den Möglichkeiten fernerkundlicher Verfahren zur Erfassung von Pflanzenkrankheiten auseinanderzusetzen. 2011 promovierte sie mit dem Thema »Nachweis, Identifizierung und Quantifizierung pilzlicher Krankheitserreger mittels hyperspektraler Bildanalyse«. Hierfür erhielt sie den Promotionspreis für die beste Dissertation der Universität Bonn. Nach einer PostDoc Zeit mit Auslandsaufenthalt an der University of Manchester, UK, in der renommierten EAgrigroup, bei Prof. Bruce Grieve, leitet sie seit Januar 2014 eine unabhängige Nachwuchsforschergruppe im Rahmen des vom BMBF geförderten Kompetenznetzwerkes »Crop.Sens.e.net« zum Thema »Hyperspektrale Phänotypisierung der Resistenzreaktion bei Gerste«. Am 1. Juni 2016 habilitierte sich Frau Dr. Mahlein und erhielt die Venia Legendi für das Fachgebiet Phytomedizin. Frau Dr. Mahleins prioritäres Forschungsinteresse ist es, komplexe biochemische und bio-physikalische Veränderungen in Wirt- Pathogen-Interaktionen mit Hilfe hochsensitiver Spektralsensoren sichtbar zu machen. Die so gewonnen Erkenntnisse tragen entscheidend dazu bei, Befallssituationen frühzeitig zu diagnostizieren und pflanzliche Abwehrmechanismen besser zu verstehen. Pflanzenkrankheiten lassen sich damit optimaler bekämpfen, krankheits- resistente Genotypen und neue Wirkstoffe effizienter selektieren. Frau Mahlein arbeitet überaus interdisziplinär mit Kollegen aus der Informatik, Elektrophysik und Geodäsie ist, dass hyperspektraler Sensoren nun auch in der Humanmedizin eingesetzt werden. Frau Dr. Mahlein hat ihre Forschungsarbeiten in beeindruckenden 36 peer-reviewed Artikeln publiziert.

Frau Dr. Stefanie Ranf hat Biochemie an der Universität Regensburg studiert, arbeitete dann, im Rahmen eines DFG-Stipendiums, von 2003 bis 2004 an der University of South Carolina, USA. 2005 begann Frau Dr. Ranf ihre Promotion in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dierk Scheel und Dr. Justin Lee, Abteilung für Stress und Entwicklungsbiologie, Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle. Hierbei ging es um die Bedeutung des Calcium Signalings für die Immunabwehr der Pflanze. Nach Abschluss der Promotion im Jahr 2011 und einigen Monaten als PostDoc, wechselte sie 2013 in die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ralph Hückelhoven an den Lehrstuhl für Phytopathologie der Technischen Universität München. Zunächst eingestellt als wissenschaftliche Mitarbeiterin leitet sie seit März dieses Jahres ihre eigene, von der DFG im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderte Emmy-Noether Forscher-Gruppe. Frau Dr. Ranf beschäftigt sich mit der Frage, wie wehren sich Pflanzen gegen Krankheitserreger. Pflanzen verfügen über verschiedenste Abwehrmechanismen, Krankheitserreger wiederum haben Strategien entwickelt, sich der Erkennung durch die Pflanze zu entziehen, bzw. pflanzliche Abwehrmechanismen auszuschalten, so dass es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen pflanzlicher Abwehr und Unterdrückung der pflanzlichen Abwehr durch den Schaderreger kommt. Frau Dr. Ranf gelang es nun für den bakteriellen Schaderreger Pseudomonas syringae die Prozesse der Signalübertragung zu identifizieren. Insbesondere untersuchte sie, wie konservierte Signalmoleküle, so genannte microbeassociated molecular patterns (MAMPS), des bakteriellen Schaderregers auf pflanzlicher Seite an spezifische Rezeptoren (host pattern-recognition receptors, PRR) binden und damit eine allgemeine Immunantwort induzieren. Als Signalmoleküle erwiesen sich im vorliegenden Fall die sogenannten Lipopolysaccharide, Bestandteile der äußeren Membranhülle von  P. syringae . Frau Dr. Ranf konnte nun erstmalig auf pflanzlicher Seite das dazugehörige Sensorprotein identifizieren, das für die LPS-induzierte Immunantwort erforderlich ist. Durch Übertragung dieses Sensors auf andere Pflanzen wurden diese dauerhaft resistent gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern. Somit besitzt dieses Verfahren enormes Potenzial für die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit unserer Kulturpflanzen vor Befall mit Schaderregern. Frau Dr. Ranf hat ihre Forschungsarbeiten in 14 peer-reviewed Artikeln in durchweg sehr hochklassigen Zeitschriften publiziert, darunter Nature Immunology.