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Anton de Bary-Medaille 2018 für

Prof. Dr. Andreas von Tiedemann

Herr Prof. von Tiedemann hat in Wien und Göttingen Agrarwissenschaften studiert, in Göttingen promoviert und sich dort im Fachgebiet Phytomedizin habilitiert. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt (1994-1996) in den USA, leitete Herr von Tiedemann den Lehrstuhl für Phytomedizin an der Universität Rostock und ist seit 2001 Professor für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz an der Universität Göttingen.

Wegweisend sind seine Arbeiten zum Einfluss atmosphärischer Faktoren (z. B. Ozon, CO2, UV-B, Temperatur) auf die Ausbreitung und Ausprägung von Pflanzenkrank­heiten, speziell der pilzlichen Schaderreger an Getreide. Er hat maßgeblich zur Verbesserung des integrierten Pflanzenschutzes beigetragen, von der Entwicklung von Prognosesystemen (z.B. Sclerotinia an Raps, Fusarium an Weizen) über die Nutzung genetischer Ressourcen (Resistenz/Toleranz) bis hin zur gezielten Anwendung chemischer und biologischer Pflanzenschutzmittel. Mit seinen Arbeiten hat Herr von Tiedemann zur Aufklärung und Verbesserung der Resistenzeigenschaften von Nutzpflanzen, als auch der Auffindung neuer Resistenzquellen (z.B. Verticillium- und Sclerotinia-Resistenz in Raps, Ramularia-Resistenz in Gerste) beigetragen.

Herr von Tiedemann ist ein unermüdlicher Verfechter einer sachlich geführten Diskussion in der Öffentlichkeit zu Nutzen und Risiken von Pflanzenschutzmitteln. Er ist ein begeisterter Wissenschaftler und Lehrender, der sich in besonderem Maße für die Ausbildung der Studierenden engagiert. Der in Göttingen angebotene internationale Master of Science in „Crop Protection“ geht maßgeblich auf seine Initiative zurück. Herr von Tiedemann hat über 50 Bachelorstudenten, 80 Masterstudenten und Diplomanden sowie 35 Doktoranden betreut. Seine Forschungsergebnisse hat er in über 170 Fachartikeln, 6 Büchern, 12 Buchkapiteln sowie weit über 150 Konferenzbeiträgen publiziert.

Herr von Tiedemann engagierte sich im Vorstand der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft (2002-2011), war Mitglied der DFG-Senatskommission Stoffe und Ressourcen in der Landwirtschaft (2006-2011) und ist seit 2012 Mitglied des DFG-Fachkollegiums für das Fach Phytomedizin. Seit 2001 ist er Editor-in-Chief des ‚Journal of Phytopathology‘.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde Herr Prof. von Tiedemann unter anderem mit dem Julius Kühn-Preis der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft (1996), dem Adjunct Scientist Award des Boyce Thompson Instituts, Ithaca, USA (1996), sowie dem International Plant Protection Award of Distinction der International Association for the Plant Protection Sciences (2015) ausgezeichnet.

 

 

Ehrennadel 2018 für

Dr. Karola Schorn

Frau Dr. Schorn wird mit der Ehrennadel für ihre besonderen Verdienste um die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft e.V. geehrt.

Sie hat die Bedeutung der DPG während ihres außerordentlichen Engagements um den Pflanzenschutz und die Pflanzengesundheit über viele Jahre durch ihre Mitwirkung am Programmkomitee der Deutschen Pflanzenschutztagung unterstützt und so die neutrale Position der Wissenschaft im poltischen Umfeld unterstrichen.

Frau Schorn studierte von 1977 bis 1982 Agrar­wissenschaften in Göttingen, absolvierte das Aufbaustudium Phytomedizin 1982-1986 und promoviertebei Prof. Heitefuß/Prof. Röbbelenmit einer Arbeit zur Rassenspezifität der Altersresistenz von Sommergerste gegenüber dem echten Mehltau.Daran schloss sich eine 4jährige Tätigkeit am Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Hannover in Niedersachsen an. Seit 1991 arbeitet Frau Schorn im BMEL, zunächst als Referentin im Referat Pflanzenschutz und dann 9 Jahre als Leiterin des Referates Pflanzenschutz. Seit April 2015 leitet Sie das im BMEL neu eingerichtete Referat Pflanzengesundheit -Phytosanitäre Angelegenheiten beim Export.

Frau Schorn hat sich in herausragender Weise um den Pflanzenschutz und die Pflanzengesundheitengagiert. Sie trägt dadurch maßgeblich zum Schutz unserer Kulturpflanzen und der Kulturlandschaft vor Schadorganismen bei. Zu ihren Aufgaben zählt insbesondere. die Verhandlung von Rechtsakten in diversen EU-Gremien des Rates und der Kommission sowie der Leiter der Pflanzenschutzdienste auf EU-Ebene sowie derenkonzeptionelle Umsetzung in nationales Recht. Frau Schon wirkt mit bzw. hat die Federführung in verschiedenen nationalen und supranationalen Gremien, allen voran der EU,der EPPO, und dem IPPC. Seit 2016ist Frau Schorn Präsidentin der Europäischen Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO) und hat den Vorsitz im Executive Committee und im Rat der EPPO. Sie ist eine der Hauptherausgeber der Zeitschrift „Gesunde Pflanzen“.

Ihre enorme Fachkompetenz machen Frau Schorn zu einer gefragten Expertin und Beraterin in Deutschland, Europa, sowie darüber hinaus.Ihre klaren und deutlichen Worte bezüglich der Gefahren für die Pflanzengesundheit in Landwirtschaft, Gartenbau und Forst sowie ihr Engagement bei der Entwicklung von risikobasierten und effizienten Maßnahmen zur Vermeidung der Ein- und Verschleppung gefährlicher Schadorganismen tragen erheblich dazu bei, dass auch unter den heutigen Bedingungen eines stark ansteigenden Welthandels und den Folgen des Klimawandels erfolgreich Kulturpflanzen angebaut werden können.

 

 

Ehrennadel 2018 für

Dr. Wolfgang Zornbach

Herr Dr. Wolfgang Zornbach erhält die Ehrennadel der DPG für seine  langjährigen Bemühungen um einen nachhaltigen integrierten Pflanzenschutz, bei denen er die DPG stets als wissenschaftliche Fachgesellschaft mit in den Nationalen Aktionsplan für den nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einbezogen hat.

Herr Zornbach ist in einem kleinen Gartenbaubetrieb aufgewachsen und hat von 1979 bis 1986 Biologie an der Universität Hamburg studiert und 1990 promoviert. Mit den Studienschwerpunkten Angewandte Botanik, Mikrobiologie und angewandte Entomologie hat er sich auf Arbeiten im Bereich des Pflanzenschutzes vorbereitet.

Die Diplomarbeit befasste sich mit dem Einfluss von CO2– angereichertem Gießwasser auf die Ausprägung von Krankheiten an verschiedenen Zierpflanzen im Gewächshaus. Die Dissertation wurde am Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau der damaligen Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig angefertigt. Sie befasste sich mit Untersuchungen zur Pathogenese, Epidemiologie und Bekämpfbarkeit von Mycoshaerellabrassicicola, dem Erreger der Ringfleckenkrankheit an Cruciferen.

Seit Juni 1990 arbeitet er im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), zunächst im Referat Pflanzenschutz und seit Februar 2017 im Referat Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Klimafolgen.

Herr Zornbach hat über 25 Jahre die rechtlichen Maßnahmen im Pflanzenschutz national und auch auf der EU-Ebene aktiv mitgestaltet. Hierzu gehörten das Pflanzenschutzgesetz und verschiedene Verordnungen zum Pflanzenschutz ebenso wie z. B. die EU-Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie. Wichtig war ihm dabei immer die sachgerechte Begleitung aller Maßnahmen mit einer fachlich fundierten Forschung. Besonders hervorzuheben ist sein herausragendes Engagement bei der Ausgestaltung von Pflanzenschutzlösungen für „kleine Kulturen“ (Lückenindikationen), für die Entwicklung und Umsetzung des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP).

Er hat aktiv in vielen nationalen und internationalen Gremien mitgewirkt. Hierzu gehörten auch verschiedene Gremien der FAO oder OECD. Er hatte über 10 Jahre den Vorsitz der OECD RiskReductionSteering Group inne, leitete eine Reihe von OECD Seminaren und Workshops zu unterschiedlichen Pflanzenschutzthemen sowie zuletzt die OECD Working Group on Pesticides.Dies ist innerhalb der OECD das höchste Gremium, das sich mit Pflanzenschutzfragen befasst. Darüber hinaus hat Herr Zornbach internationale Netzwerke und Forschungsvorhaben zum integrierten Pflanzenschutz (z. B. ENDURE, PURE) intensiv begleitet sowie Modell- und Demonstrationsvorhaben zum integrierten Pflanzenschutz vorangetrieben(z. B. Warndienst/Wetterdienst, PASO I, PASO II, Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz).Herr Zornbach hat mit Fachkenntnis, Sachverstand und einem hohen Grad von Pragmatismus maßgeblich dazu beigetragen, den integrierten Pflanzenschutz zukunftsfähig zu machen und so eine erfolgreiche Land- und Forstwirtschaft selbst unter schwierigen Produktionsbedingungen zu gewährleisten.

 

Nachwuchspreis 2018 für

Dr. Alexandra Matei

Frau Dr. Matei wurde für ihre Dissertation „Identification of seedling-specific effectors in theUstilago maydis – maize interaction: From organ to cell type specificity” ausgezeichnet. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der Arbeitskreistagung Wirt-Parasit-Beziehungen/Mykologie am 15. März in Köln.

Frau Matei hat im Rahmen Ihrer Doktorarbeit zunächst am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und an der Universität Köln bei Prof. Dr. Gunther Döhlemann die Grundlagen der durch den Brandpilz Ustilago maydis verursachten Tumorbildung in Maispflanzen untersucht.  Sie leistete einen entscheidenden Beitrag zur Identifizierung von Virulenzfaktoren des Pilzes, die organspezifisch wirken und somit für die Entstehung von Blatttumoren verantwortlich sind. Dies zeigt zum ersten Mal, dass pflanzenpathogene Pilze Virulenzfaktoren sekretieren, deren Wirkung spezifisch auf ein bestimmtes Gewebe abgestimmt ist. Frau Matei analysierte zytologisch, physiologisch und molekularbiologisch die Entstehung von Blatttumoren. Dabei konnte sie erstmals zeigen, welche zellulären Prozesse für die Tumorbildung verantwortlich sind. Sie identifizierte zudem Bündelscheidenzellen im Maisblatt als Ursprung der eigentlichen Tumorzellen. Weiterhin konnte sie zeigen, dass ein einzelner Virulenzfaktor von U. maydis eine zellspezifische Aktivität hat, indem er die Bündelscheidenzellen zur Teilung anregt und somit die Tumorbildung induziert. Außerdem gelang es Frau Matei mittels „Laser Capture Microdissection“ und anschließender RNA-Sequenzierung das zelltypspezifische Transkriptom in Blatttumoren aufzuklären. Dies bietet Informationen über die Genexpression der Pflanze und des Pilzes in einer Zelltyp-spezifischen Auflösung und ist eine interessante Ressource für die weitere Aufklärung der molekularen Ursachen der Tumorbildung in Maispflanzen. Die Arbeiten wurden in mehreren Zeitschriften publiziert.